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Vom Volksbilderbogen zu „Miša“

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Die Geschichte des russischen Comics reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. In dieser Zeit erfreute sich der „Lubok“ (Volksbilderbogen) großer Beliebtheit. Das Wort „Lubok“ (vom russischen „Lub“, dt. Lindenbast) beschreibt die Tafeln aus Lindenholz, die zum Druck der Bilderbogen verwandt wurden – einfache Bilderbogen mit volkstümlichen Inhalten, die von Händlern auf Märkten feilgeboten wurden und die sich nahezu jeder leisten konnte. Der Name der berühmten Moskauer Handelsstraße „Lubjanka“ rührt daher.


Anfang des 20. Jahrhunderts griff die Russische Avantgarde die bildnerische Volkstradition auf. 1914 entstand die Vereinigung „Lubok Heute“, der unter anderen Lentulov und Malevič angehörten.


Nach der Oktoberrevolution 1917 machten die „ROSTA-Fenster“ von sich reden, an denen neben anderen bekannten Künstlern auch Majakowski mitwirkte. Dabei handelte es sich um eine Reihe von Propaganda-Plakaten, die gewöhnlich in zwei Farben gezeichnet waren.

     

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde in der UdSSR aktiv an Comics für Kinder gearbeitet. 1924 erblickte die Zeitschrift „Murzilka“ das Licht der Welt. Doch erst Ende der 30er hatte sie ihr unverwechselbares Gesicht gefunden: Der Künstler A. Kanevskij ersann und zeichnete das fabelhafte Geschöpf – halb Mensch, halb Bärenkind – mit rotem Barett, Schal und Fotoapparat über der Schulter.


 



Mischa 2014 Märchenbeispiel

In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zeichnete B. Antonovskij „Die Abenteuer des Makar Svirepyj“ für die Zeitschrift „Ëž („Igel“)“. Diese populäre Kinderzeitschrift erschien – ebenso wie das Monatsjournal „ Čiž“ („Zeisig“) vor dem Zweiten Weltkrieg in Leningrad. Die Autoren waren zum Beispiel S. Marčak, K. Čukovskij, und D. Charms. In diese Zeitschriften gehören auch Malachovskijs bekannte Bildgeschichten „Umnaja Maša“ (“Die kluge Mascha“).


1956 gab der Zentralrat des Komsomol die „Wesjelye kartinki“ („Die lustigen Bilder“) heraus. Den Kindern gefielen die Bildgeschichten von Suteev, die Zeichnungen Rusakovs zum Trickfilm „Nu pogodi!“ („Na warte!“), die Illustrationen zu Uspenskijs Märchen „ Čeburaška und Krokodil Gena“ und Čižkovs Zeichnungen zu „Pro devočku Mascha i kuklu Nataša“ („Über das Mädchen Mascha und die Puppe Natascha“)“. Diese von namhaften Künstlern gestalteten Geschichten in Bildern – jeweils mit einem kleinen Text darunter - gab es nicht nur in Papierform sondern auch als Diafilme, die sich viele Kinder zu Hause mit speziellen Projektoren anschauten.


Seit der 90er Jahre wurde in Russland eine Vielzahl neuer Bildgeschichten veröffentlicht: in den bekannten Kinderzeitschriften „Tramwaj“ („Straßenbahn“), „Ekran – detjam“ („Leinwand für Kinder“), „Pioner“ („Pionier“), „A počemu?“ („Aber warum?“), „Junyj Technik“ („Junger Techniker“), „Klassnyj Žournal“ („Klassenbuch“). Viele dieser Zeitschriften, darunter die bemerkenswerte „Tramwaj“ gibt es heute nicht mehr. Es folgten Comics mit den Helden aus den Disney-Filmen – Mickey Mouse, die Entengeschichten und andere. Sie erscheinen in Russland beim Verlag „Egmont Russland Ltd.“


1983 – drei Jahre nach der Moskauer Olympiade – entstand auf Beschluss des Zentralkomitees der KPdSU für das junge Publikum die Zeitschrift „Miša“ – Beilage der Zeitschrift „Sowjetskij Sojuz“ („Sowjetunion“). Das Konzept beinhaltete von Anfang an eine Vielzahl von Comics.

Derzeit werden in jeder Ausgabe des Journals mindestens zwei Bildgeschichten in Fortsetzung veröffentlicht: zu klassischen Werken ausländischer Künstler (Mark Twain, Conan Doyle, Jules Verne u. a.), zu russischen Märchen und auch zu Werken bekannter Kinderschriftsteller Russlands wie L. Lagin, E. Schwarz, P. Bažov u. a.). In kurzer Form - ein bis zwei Seiten – gibt es unter anderen die Rubriken „Lesnoj Detektiv“ („Walddetektiv“) und „Stadion Miša“.


Nina Grozova, Chefredakteurin der Zeitschrift „Miša“


Als Quellen wurden hinzugezogen:

www.planetofcomics.ru und www.mirt.ru